Christian Füller
Zurück in die Präsenz – und alles ist gut?
Kategorie: Diskussion Autor: Christian Füller Datum: 4 Monaten ago Kommentare: 2

Die Pandemie hat Schule und Kultusbürokratie entlarvt: das 19. Jhd-Modell von Schule ist nicht schnell, nicht partizipativ und es bildet auch nicht. Nun ist Corona hoffentlich überwunden, aber die Sehnsucht nach dem Klassenzimmer fühlt sich nicht richtig an. Wie kann Schule nach den Ferien vermeiden, einfach in den alten 45-Minuten-Fächer-Prüfen-Modus zurück zu kippen? Wie lässt sich Zukunft des Lernens gestalten – und alle LehrerInnen dabei mitnehmen? Wie kann man darüber diskutieren, ohne in Lager zu zerfallen?

Ich orientiere mich an @vedducation, der hier eine negative Ausgangslage beschrieben hat. Daraus abgeleitet brauchen Schule und Lernen: 1) Selbstbestimmung 2) authentische Lernsituationen 3) Platz für die Interessen der Lernenden 4) Individualität. 
Das sind schon fast Binsen. Trotzdem ist es unheimlich schwer, dieses Ziel anzusteuern. Weil es fast utopisch ist, wenn man bedenkt, wie restriktiv das herrschende Schulmodell ist und wie sehr die Debatte um Lernlücken nach Rückkehr zur Paukschule schmeckt. Gleichzeitig hat man im letzten Jahr gesehen, wie viel Veränderung möglich ist, wie kreativ und engagiert viele LehrerInnen sind. Ich plädiere daher für einen pragmatischen Weg. 

These
: Das neue Schuljahr sollte mit machbaren Zwischenschritten auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Lernen in authentischen Situationen gestaltet werden, die Platz für die Interessen der LernerInnen und ihre individuellen Wege geben. Aber. Mit diesem Mega-Programm kann man nicht das neue Schuljahr starten. Dafür braucht es Zwischenschritte.
Diese hier:
1) Der Nutzwert jeder Neuerung für SchülerInnen und LehrerInnen sollte sofort greifbar sein 
2) Die Kollegien sollten konkrete Veränderungsschritte sofort einklagen: Kooperation, Projekte, digitale Unterstützung
3) Die neuen Formen der Lehrerfortbildung sollten genutzt werden 
4) Etablierte Start-ups und Lerninitiativen aus der Coronazeit sollten Zugang zu Schulen bekommen
5) Die selbsternannte Avantgarde sollte in ihren Forderungen und Maßregelungen abrüsten. Wer jetzt überzieht, provoziert einen Rollback

Wie diskutieren wir? Ihr macht ein Video von 45 Sekunden mit Eurem Vorschlag, wie es nach diesem Sommer mit Schule weitergehen soll. Ihr nennt eine Liste mit 7 Punkten (oder drei oder fünf), die für Euch zum Schulstart 2021/22 unverzichtbar wären. Oder Ihr schreibt ein Essay. Und postet diese Sachen an @ciffi auf Twitter. Dann wird die Debatte da geführt, wo sie hin muss: in der Öffentlichkeit. Oder Ihr diskutiert erstmal hier im Kommentarbereich. Sowohl die Listen als auch das Essay können wir auch publizieren – wenn Ihr einverstanden seid.