Unterrichten mit nachhaltiger und freier Software
Jun 2, 2021 @ 17:11

Link zur Präsentation: https://hackmd.io/@MHeinemann/Hy7rqXScO#/

Nun bist du gefragt!

Wie kann der Einsatz von freier Software im Bildungsbereich gelingen?

Wir freuen uns auf eure Ideen.

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12 Antworten
  1. Sehr schönes Thema und danke für das Einstiegsvideo 🙂

    Was meiner Meinung nach immer hilfreich ist: vorleben und mitmachen ermöglichen. Ich biete Vorlesungsskripte derzeit immer als PDF (die Nachfrage danach ist sehr hoch) und zusätzlich über ein Hackpad an. Studierende erhalten vorher in kurzen Inputs Einblicke in offene (Schreib-)Tools und den damit verbundenen Möglichkeiten. Im Rahmen von kleineren Gruppenarbeiten probieren wir Anwendungen wie Hedgedoc, Etherpad oder Zotero dann auch aus und sprechen neben den Inhalten dabei auch über die Vor- und Nachteile (Open Source vs. propritär), die aufgefallen sind und denkbare Einsätze im Rahmen der eigenen Arbeitsgewohnheiten. Ab und an kommen auch Anfragen im Nachgang, ob es auch noch ergänzende Einführungen in Text- oder Videoform geben könnte. Sofern sich das zeitlich machen lässt, versuche ich den Wünschen dann so gut es geht nachzukommen.

  2. Danke Michael für deine Präsentation als gute Einführung in das Thema Freie Software im Bildungsbereich!

    Was Florian schon im Kleinen macht, ist auch Ziel des Projektes schul-frei (https://www.schul-frei.org).
    Wir (ich bin seit etwa einem Jahr Mitglied) kuratieren Freie Software, die in Bildungseinrichtungen gebraucht wird. Unser Ziel ist es, auch (wie Firmen die proprietäre Produkte verkaufen) ein Gesamtpaket anbieten zu können, das nach außen hin wie aus einem Guss scheint.

    Unter dem Namen lanki.cloud können Schulen also in Zukunft ein System erhalten, mit guter Integration der einzelnen Komponenten, z.B. Single-Sign-On und automatische Kurs-Erstellung in Moodle basierend auf Kursen im Schulinformationssystem.

    Ich denke, das ist genau der Punkt, der Freier Software oft fehlt: Ein marktfähiges Produkt zu sein, das man kaufen kann. Das kann lanki.cloud dann bieten und bleibt dabei trotzdem frei und selbsthostbar.

  3. Hallo in die Runde und danke für die Session 🙂
    Ich finde Eure Frage sehr relevant und möchte zwei Anmerkungen machen:
    1. Wie argumentativ umgehen mit schlechten Erfahrungen mit Open Source Software, weil Bereitstellung auf unzureichenden Servern, die viele machen und die eigentlich leicht erklärbar sind?
    2. Kann es gelingen, die Bereitstellung von Open Source Software als Teil von ‚Gestaltbarkeit der Lebenswelt von Lernenden‘ einzuführen?

    Näheres im Audio-Kommentar.

    • Bei uns sind die Widerstände insbesondere bei Moodle nicht technischer Natur, unsere Installation läuft seit Jahren abgesehen von ganz wenigen Vorfällen stabil, sondern eine Folge der Sozialisierung. Insbesondere bei jüngeren Lehrpersonen ist eine häufige Reaktion auf Moodle: „Das hatten wir an der PH, meinen Schülerinnen und Schülern werde ich das nicht antun!“

      Wenn man dann etwas genauer nachfragt, stellt man den eigentlichen Grund für die Abneigung fest: Die Möglichkeiten der Software wird sehr einseitig genutzt. In erster Linie werden darüber PDFs verteilt, dann gibt es noch Links auf weitere Seiten (häufig sehr textlastig) und wahrscheinlich irgendeine Funktion, in der man im spärlichen Austausch mit Dozenten zumindest theoretisch einen Dialog führen könnte.

      Zur technische einwandfreien Installation kommt also noch die pädagogische Umsetzung der vorhandenen Möglichkeiten dazu. In diesem Zusammenhang staune ich immer wieder (manchmal auch über mich selbst), welche Werkzeuge dabei unter dem Radar bleiben und wie wenig das vorhandene Potential genutzt wird.

      Bei unserer Installation setzen wir auf Automatisierung (Übungen, Tests), Interaktion (z.B. bei eingebundenen Simulationen), Kommunikation (vor allem zwischen den Lernenden) und Multimedia, wobei wir im Bereich der Kommunikation sicherlich noch Luft nach oben haben.

      Wo stellt ihr fest, dass statt vorhandener Möglichkeiten bereits installierter Open-Source-Angebote weitere Tools eingesetzt werden, weil die vorhandenen Funktionen zu wenig bekannt sind? Wo gibt es andere Gründe dafür?

  4. Danke für diesen sehr interessanten und informativen Einstieg.
    Bislang hatte ich mich mit dem Thema noch nicht befasst, hatte aber schon in einigen Diskussionen auf twlz darüber gelesen.

    Ich finde es wichtig, dass die Einstiegshürde möglichst gering ist. Einen eigenen Server aufsetzen, sich mit der Implementierung usw. befassen, ist nicht für jede Schule möglich. Meiner Meinung nach greift man dann auf leicht umsetzbare Tools zurück, die häufig den beschriebenen Lock-in-Effekt auslösen.

    Ein großer Vorteil von OSS wäre auch, dass man seine individuellen Ideen und Lösungen umsetzen kann und nicht das Betriebssystem und die Geräte der Schule nutzen muss.

    Bei uns war es leider so, dass irgendeine Person schon vor Jahren einige Appletvs für die Beamer gekauft hatte. So gab es jetzt für alle Lehrer Ipads. Diese sind so stark in der Bedienung eingeschränkt, dass man sie nicht richtig nutzen kann. Ich kann keine Apps installieren, den Startbildschirm sortieren, usw.

    Mein Fazit wäre demnach, dass die Einstiegshürde und der Aneignungsprozess so leicht ist, dass man sich gerne damit auseinandersetzen möchte. Dies könnte man vielleicht auch durch gute Vernetzung schaffen, sodass Tools von Profis gebaut werden, die man kopieren und anpassen kann.

  5. Danke auch von meiner Seite für dieses wichtige und spannende Thema. Ich schließe mich da Nele an: wichtig ist die Differenzierung zwischen Software und Server. Häufig damit verbunden ist die Erwartung, dass OSS billiger ist, was jedoch meiner Meinung (zumindest am Anfang) nicht der Fall ist.

    Wie Katharina ja auch schreibt: „Einen eigenen Server aufsetzen, sich mit der Implementierung usw. befassen, ist nicht für jede Schule möglich.“ Ich würde sogar weiter gehen und sagen, dass eigentlich von keiner Schule zu leisten ist. Hierfür muss einfach richtig Geld in die Hand genommen werden, wenn es gut laufen soll. Eine Person, die sich zufällig ein bisschen auskennt wird da nicht weit kommen. Aber auch eine MS Teams Lizenz oder ähnliches kostet Geld (oder Bezahlung mit Daten) …

    Gute Software sollte dann am besten unabhängig vom Betriebssystem laufen, sowohl auf Rechnern als auch auf mobilen Geräten. Im Idealfall läuft dann noch alles im Browser, so dass sich auch das Problem mit der Installation von Apps usw. erledigt hat.

    Ich denke, mit einer geschickten Kombination aus Nextcloud, moodle und jitsi (bzw. BigBlueButton), gut implementiert, würde man schon sehr weit kommen (dies ist auch die Kombination mit der ich ohne Probleme im außerschulischen Bildungsbereich im internationalen Kontext arbeite). Die Open-Source-Software ist da, sie muss „nur“ implementiert werden und die Nutzer:innen müssen sowohl in der Bedienung als auch in der didaktisch-methodischen Nutzung geschult werden, was fast noch wichtiger ist.

    • Beim Hosten offener Lösungen gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten zwischen dem eigenen Open-Source-Server und der kommerziellen Lösung, welche man dann mit Daten bezahlt. Einige Möglichkeiten sind:
      – Man setzt auf eine offene Lösung, aber nutzt diese über einen privaten Dienstleister;
      – Man nutzt eine von staatlichen Institutionen zu Verfügung gestellte Lösung;
      – Man nutzt eine Lösung, welche von einem Verein oder anderen Interessensgruppen zu Verfügung gestellt wird;
      – Man pflegt eine Applikation auf einem gehosteten Server, dessen Unterbau professionell verwaltet wird;
      – Man nutzt verschiedene Applikationen, die man entweder gratis oder gegen Miete nutzten kann.

      Welche Lösung dann am besten passt, hängt davon ab, wie viel Geld zu Verfügung steht und inwieweit man besondere Anforderungen hat. Im Bezug auf die Ressourcen muss man abwägen, was man intern oder extern finanzieren möchte. Dabei ist auch zu überlegen, welches Gewicht dem Kompetenzaufbau an der eigenen Schule beigemessen wird.

  6. Danke Michael, für das interessante Thema!

    Im schulischen Bereich erlebe ich es zur Zeit so, dass proprietäre Software unter Kolleg:innen einen unglaublich guten Ruf genießt. Gleichzeitig ist die mit proprietärer Software einhergehende Problematik den wenigsten bewusst (DSVGO-Konformität, Lock-In Effekte, …).
    Wo kann man ansetzen? Ich denke eine der effektivsten Möglichkeiten besteht darin, den praktischen Einsatz freier Software im Unterricht anderen Kolleg:innen zu zeigen, sich darüber auszutauschen und den konkreten Einsatz im Unterricht zu erörtern. Mikrofortbildungen innerhalb des Kollegiums bieten hierfür meiner Erfahrung nach eine sehr gute Gelegenheit.

  7. In unseren Informatikräumen nutzen wir schon seit langem viele freie Software. Beispielsweise Inkscape, GIMP oder OpenOffice. Auch unsere Schulplattform IServ baut auf Linux auf und nutzt BigBlueButton.
    Ich denke, in vielen Bereichen gibt es also bereits gute Lösungen, die auch genutzt werden.

    Allerdings wurden nun alle Klassen und das Kollegium mit iPads ausgestattet. Akkulaufzeit, all-in-one und externe MDM kann ich durchaus nachvollziehen, doch in dieser Umgebung laufen die wenigsten der mir bislang geläufigen Anwendungen.

    Ich fürchte, dass einige Firmen hier sehr stark ihre eigenen Produkte auf den Markt bringen und eine individuelle Anpassbarkeit oder ein transparentes Nachvollziehen der Prozesse durch offene Quellcodes von dieser Seite auch nicht gewünscht ist.

    Gerade in der Transparenz von Open Source sehe ich Potentiale für die Bildung. Ein Fachkräftemangel wird ja auch überall beklagt.

    Ein Problem scheint mir, dass derzeit eher in Hardware, statt in Personal investiert wird. Wenn Schulen freie Software nicht nur bereitgestellt, sondern auch gepflegt und gewartet bekommen würde, würden diese Lösungen meines Erachtens auch häufiger zum Einsatz kommen.

    • Wenn Schulen sich auf den Weg in die Digitalität begeben, durchlaufen ich glaube ich viele ganz ähnliche Phasen:

      1) Anschaffung von Hardware (inkl. Netzinfrastruktur)
      In dieser Phase wird viel darüber diskutiert, welches Geräte das richtige ist. Häufig sind hier finanzielle Aspekte wichtiger als mögliche Einsatzgebiete. Diese Phase ist auch dadurch gekennzeichnet, dass die Vorlieben der Beteiligten eine starke Rolle spielen.

      2) Software bedienen können
      Wenn die Geräte erst einmal angeschafft wurden, brauchen viele Lehrpersonen erst einmal Zeit, sich in diese „neue“ Welt einzuarbeiten. Das ist teilweise auch für Personen der Fall, die beispielsweise privat soziale Netzwerke bereits intensiv nutzen, denn im Schulumfeld sind häufig andere Aspekte wichtig.

      3) Sich mit Software organisieren
      In dieser Phase kommen unterschiedliche, aber meist pfannenfertige kommerzielle Lösungen zum Einsatz. Diese holen viele Lehrpersonen genau dort ab, wo sie unterrichtstechnisch stehen. Als Beispiel sei hier OneNote von Microsoft genannt. Damit können die bisherigen Arbeitsprozesse, welche sich seit der Einführung von Kopierern an Schulen etabliert haben, direkt digital repliziert werden. Für die Lehrpersonen entfällt der Kopieraufwand und die Einbindung von Multimedia erlaubt neue Ansätze. Die eher kommunikativen Aspekte, welches dieses Werkzeug auch erlaubt, spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

      4) Gezielter Einsatz von Software
      Erst wenn Lehrpersonen sich ein technisches und pädagogisches Repertoire erarbeitet haben, können sie die technischen Werkzeuge gezielt und ausgehend von allenfalls neuen Lernszenarien einsetzen.

      Weil diese Schritte anspruchsvoll sind und mühsam erarbeitet werden müssen, halten sich Lehrpersonen gerne an Bekanntes. Und wenn dazu eben keine Open-Source-Lösungen gehören, ist die Bereitschaft klein, sich darauf einzulassen. Meist fehlt auch die Zeit, sich über die Implikationen der eigenen Entscheide bewusst zu werden (Datenschutz, Wirtschaftsförderung, Nachhaltigkeit …).

      Hinzu kommt, dass viele Open-Source-Produkte quasi unsichtbar im Hintergrund ihre Dienste leisten und damit für eine breitere Öffentlichkeit selten sichtbar werden. Umso wichtiger ist es, solche Lösungen gezielt dort einzusetzen, wo sie gegenüber den etablierten kommerziellen Lösungen einen Vorteil bieten, etwa weil sie flexibler anpassbar sind, Investitionen über einen längeren Zeitraum geschützt werden können, oder aber Funktionen bieten, welche für die kommerziellen Anbieter nicht von Interesse sind.

      Damit der Einsatz unter solchen Umständen gelingt, sind mindestens zwei Punkte wichtig:
      1) Die Entscheidungsträger vor Ort berücksichtigen verschiedene Aspekte der Softwarenutzung und schaffen Freiräume, die es Lehrpersonen erlaubt, sich auch einmal längerfristig in ein neues Thema einzuarbeiten, ohne dass gleich nach dem Mehrwert und Nutze gefragt wird.

      2) Vor Ort braucht es engagierte Lehrpersonen, die bereits sind, über die üblichen Erwartungen hinauszuwachsen, sich (in Absprache mit der Schulleitung) zu spezialisieren und dieses Wissen und Können mit anderen zu teilen.

      Wenn diese Gegebenheiten vorhanden sind, gelingt es wahrscheinlich, nicht nur die Software, sondern auch die ganze Institution zu öffnen und damit eine gute Grundlage für die kommenden Herausforderungen zu schaffen.

  8. Vielleicht ist an dieser Stelle auch ein Hinweis auf die FOSSGIS 2021
    https://www.fossgis-konferenz.de/2021/
    die „führende Konferenz für Freie und Open Source Software für Geoinformationssysteme sowie für die Themen Open Data und OpenStreetMap“ im D-A-CH Raum angebracht.

    Auch auf das Bildungspaket von digitalcourage.de möchte ich in dem Zuge freier Software im Unterricht hinweisen:
    https://digitalcourage.de/kinder-und-jugendliche/bildungspaket

  9. Danke für deinen Beitrag, Michael!
    Ich bin auch wie Felix im Projekt schul-frei beteiligt. Einerseits ist es, wie schon von Felix erklärt hat, unser Ziel freie Software als ein hochwertiges Gesamtprodukt anzubieten.
    Allerdings denken wir auch, dass freie Software für Schulen und Lehrkräfte attraktiv werden kann, wenn ihre Freiheiten im Unterricht voll ausgeschöpft werden.
    Damit ist gemeint, dass sich SuS zum Beispiel im Informatikunterricht mit dem Code der Software auseinandersetzen, die bereits im Schulalltag verwendet wird.
    Ein Beispielszenario wäre, dass eine Informatikklasse im Unterricht lernt, wie das Schulinformationssystem AlekSIS aufgebaut ist und als gemeinsames Projekt eine App entwickelt, die ein bestimmtes Problem aus dem Schulalltag lösen soll. So kann gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zum Beispiel eine App für die Mensaverwaltung entwickelt werden. Anstelle von abstrakten Projekten werden hier reale Szenarien für das Programmierenlernen verwendet, was die Motivation der SuS steigern kann.
    Freie Software ermöglicht es also Programme, die man nutzt auch zu verstehen. Das wiederum fördert das Erlangen von digitaler Souveränität, da SuS generell sensibler für die Funktionsweise weiterer Software, die sie im Alltag verwenden, werden können.

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