Schul- und Unterrichtsentwicklung agil gestalten
Jun 1, 2021 @ 23:21

Inspiriert durch die Diskussionen bei der ersten #edunauten Edition, entstand ein Gemeinschaftsbuch „Scrum in die Schule!“. Ein Jahr später möchten wir , (Nataliya Levytska @le_nataliya, Tom Mittelbach @MittelbachTom, Barbara Hilgert @bhilgert16, Uta Eichborn @utaeichborn) euch gerne zum Erfahrungsaustausch über die agilen Arbeitsmethoden in der Schule einladen und bieten folgende Leitfragen an:

  • Welche Erfahrungen habt ihr mit agilen Methoden beim Distanzlernen gesammelt?
  • Wo gab es Rückschläge oder Erfolge?
  • Was ist für die Post-Corona-Zeit nötig, um das agile Mindset in der zeitgemäßen Schulkultur zu etablieren?
5 Antworten
  1. Liebe Edunauten,

    meine Schritte sind Erfolg und Rückschritt gleichermaßen.

    Mit meiner Klasse funktioniert agiles Arbeiten seit knapp einem Jahr. Unterstützt auch von den Eltern.

    Bei vielen Schulleitungen ist bis letzte Woche nicht angekommen, dass die technische Digitalisierung nicht der Abschluss unseres Auftritts ist. Erfolg für mich: ich wurde um Beteiligung zum Pädagogischen Tag gebeten und regte an: Wir sind digitale Pilotschule, die Digitalisierung steht – wie gehen wir jetzt mit den Schülern und den Eltern diese neuen Lernwege weiter. Das Thema kann dann in die Fachschaften, in die Gremien und in den Unterrichtsalltag gegeben werden.

    Angeregt durch euer Buch (Danke!j) habe ich mir für Schule und Seminar (ich bin FL’ Deutsch GyGe) die Schwerpunkte gesetzt:
    – Prozessorientierung
    – Kanbanboard für die Klasse, Teams und Einzelne
    – Projektorientierung, Fächerverbindendes im Kleinen

    Als Klassenlehrerin und aufgrund meiner Randstunden ist es mir immer wieder möglich, Lernen nicht im Klassenraum stattfinden zu lassen. Die Eltern unterstützen mich.

    Während des Wechselunterrichts arbeiteten wird konsequent hybrid – mit tollen Erfahrungen trotz technischer Hürden. Cryptpads haben uns diesen Prozess erleichtert, Breakoutrooms brachten die Kids bei mir und die Kids zu Hause zusammen. Das brummte. In der Oberstufe integriere ich diese Prozesse ebenso und unter Schülerbeteiligung: die Padlets organisiere ich (noch) in der Rohfassung, die Schüler:innen ergänzen, recherchieren, schreiben Hilfestellungen. Sie geben letztlich die gliedernde Ordnung vor.

    Ich wünschte, Mauern einzureißen. In den Köpfen und im Klassenraum. Ich las bei M. Förtsch zur Schulentwicklung und auf vielen Blogs zu Ankerstunden, Unterricht außerhalb der Sitzordnung.

    Seit 12 Jahren unterrichte ich mit offener Tür, die auch von außen und innen genutzt wird. Ich wünschte, Lernszenarien so regelmäßig zu schaffen, dass im Team oder allein oder klassenübergreifend mein Raum verlassen oder betreten wird.

    Langsam hört man zu oder liest mit in meinem Kollegium. Das finde ich positiv. Wenn jetzt auch niedrigschwellig und außerhalb der festen Gremien Menschen der Schule miteinander ins Gespräch kämen, dann ist ein Stück Weg geschafft.

    • Liebe Catrin, das hört sich sehr, sehr interessant an. Insbesondere die Idee, agile Unterrichtsgestaltung NICHT im Klassenraum stattfinden zu lassen. Meine Erfahrung mit Teambildung von agilen Teams bestätigt genau das: für die Erfahrung von Augenhöhe und zirkulärer Kommunikation ist es AUCH förderlich, einen neuen Lernraum zu schaffen (kann auch virtuell geschehen), der immer wieder neu geöffnet und gehalten wird. Auf diese Weise kann das Team im „anderen“ Kontext ankommen. Bleib da dran…schön, dass du die Unterstützung der Eltern hast! Ich bin sicher, auf Dauer wird sich das weitertragen und dein Post hier inspiriert sicher auch andere zum #einfachmachen.

      Barbara für das Team der https://www.agile-schule.org/ powered by Nataliya 🙂

  2. Moin in die Runde, ich bin Frauke und arbeite in der Hochschuldidaktik an der Uni Kiel. Dieses Semester habe ich zufällig 3 Seminare mit Lehramtsstudierenden. In dem einem Seminar arbeite ich zum ersten Mal mit eduScrum (Blockseminar an 4 Freitagen, 15 TN).

    Gerade letzte Woche ist ein interner Antrag für digitale Lehre bewilligt worden, dass wir digitales eduScrum (Vorbild ist hier die Uni Marburg: https://www.uni-marburg.de/de/universitaet/lehre/zukunftswerkstatt/lehrprojekte/eduscrum_digital) in einem Pflichtmodul in der Studieneingangsphase für LA-Studis in den kommenden 2 Jahren ausrollen können.

    Im eduScrum Seminar sind die Studis engagiert und vor allem mit Spaß an der Gruppenarbeit dabei. Sie organisieren sich selbst mit versch. digitalen Medien. Für die Dokumentation der Arbeits- und Lernprozesse setze ich gerne das Jamboard ein. Einen begleitenden Selbstlernkurs gibt es im LMS (OLAT) mit Einzel-, Gruppen- und ePortfolio-Aufgaben.

    Sowohl in Präsenz vorher als auch im Sommersemester in einem Projektseminar mit Students4Future habe ich sehr gute Erfahrung mit Lerntandems gemacht. Das hat aus meiner Sicht die soziale Isolation zu Hause ein bisschen abgefedert und wir konnten auch eine kleine Sprachbarriere bzw. zweisprachige Diskussionen (engl./dt.) im Seminar mit einer peruanischen Studentin so ganz gut überbrücken.

    Aber auch in der eigenen Weiterbildung im Home Office arbeite ich mit agilen Lernmethoden in meinem eigenen Lernprozess. Ich habe in den letzten 10 Monaten eine agile Lerncoaching Ausbildung komplett remote abgeschlossen. Zur Motivation und den fachlichen Austausch hatte ich eine Lerntandem-Partnerin in der Schweiz. Jeden Freitag haben wir uns 30-90min per Videokonferenz getroffen.

    In der Lerncoaching Ausbildung bin ich ein Fan vom Lerncoaching Material von Hannah Hardeland geworden, die mit Ihrem Ansatz Multiplikator*innen an Schulen ausbildet (z.B. https://www.hanna-hardeland.de/seminare/klassen-coaching-lerncoaching-in-klassen-und-gruppen/). Die Übungen und Interventionen passen super in Reviews/Retros von agilen Lernprozessen.

    Im Moment bin ich selbst in einem 12-Wochen-Lernsprint-Tandem mit einer Kollegin, die letztes Jahr ihr LA-Studium abgeschlossen hat. Mit unterschiedlichen Lernzielen treffen wir uns 1x die Woche für 1h, um Fortschritte zu reflektieren, nächste Schritte zu planen und uns ggs. Mut zu machen, Veränderungen im Bildungssystem mit zu gestalten.

    Eine Podcast-Serie, die uns beim Lernen zu eduScrum und agilem Unterricht besonders inspiriert: https://anchor.fm/Lauschcafe/

    • Spannend, liebe Frauke, EduScrum im Kontext Universität ein zu setzen. Für mich persönlich liegt bei EduScrum der Fokus etwas zu sehr auf dem Prozess, weniger auf der Kompetenz. Ich habe vorgestern einen spannenden Austausch von Simon Dückert (LernOS) mit Boris Gloger (Scrum4Schools) verfolgt (https://cogneon.de/event/agil-trifft-lernende-organisation-mit-boris-gloger-talks-at-cogneon/), bei dem Boris den Impact der Agilität so definierte, dass sich in erster Linie die Kommunikation / der stetige Informationsaustausch zwischen Teammitgliedern die Chance erhöhe, implizites Wissen für die Organisation nutzbar zu machen. (ca. ab Minute 16). D.h. für den Erfolg der agilen Teamarbeit ist nicht der Prozess relevant, sondern die Art und Weise des Umganges miteinander.

      Erst wenn das auf Augenhöhe, mit Wertschätzung und entsprechender Selbstwirksamkeitserfahrung passiert, wird aus reinem Wissen tatsächliche Handlungskompetenz – es wurde (echt) gelernt. Leider sehe ich diesen Effekt auch oft in der organisationalen Realität. Anstatt auf das „WIE“ der Zusammenarbeit zu schauen, wird der Fokus auf die Optimierung des (Scrum-)Prozesses gelegt….
      Wie empfindest du das?

  3. Liebe Barbara, liebe Frauke, liebe Barbara,

    danke für eure Beiträge! Es klingt alles sehr spannend, was ihr gerade macht & ausprobiert. Mit unserem Projekt http://www.agile-schule.org möchten wir eine Community ins Leben rufen, die sich über Erfahrungen mit agilen Lernmethoden austauscht. Daher möchte ich euch herzlich zu unserem Barcamp am 12. Juli einladen, gerne auch als Sessiongeberinnen mit den Themen, die ihr auch hier vorgestellt habt. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir im Rahmen von „Agile Schule in Aktion“ in Kontakt bleiben.

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